August 12, 2025

Wege aus der Lebenskrise – Teil 2

Wege aus der Lebenskrise: – Teil 2

Mit Homöopathie die Seele stärken

Ängste, Depressionen, Schmerzen – wie die Homöopathie dabei helfen kann, Energie freizusetzen und Lebensfreude zu entwickeln (Teil 1)

Im Teil 1 des Fachbeitrages wurde als psychosomatisches Krankheitsbild die Angst, speziell die Erwartungsangst und ihre Hintergründe, besprochen. Ein weiteres Thema, das in den letzten Jahren immer häufiger anzutreffen ist, zeigt sich in der Depression. Um diese erfolgreich homöopathisch zu behandeln, ist es wertvoll, die psychischen Hintergründe zu durchschauen.

 

Unterdrückte Wut

Eine Basis der Depression sind aggressive Verhaltensweisen wie Zorn und Wut, die z. 8. entstehen, wenn ein Mensch seinen eigenen Lebensimpuls unterdrückt und ihn nicht auslebt, wenn die eigene Persönlichkeit zwecks Anpassung vergewaltigt wird oder emotionale Verletzungen nicht verarbeitet werden. Aus Furcht, Traditionsgläubigkeit oder Anpassung gesteht sich der Mensch die entsprechenden machtvollen Reaktionen auf emotionale Verletzungen nicht zu. Durch die weitere Unterdrückung dieses Potenzials eskaliert die Missbrauchssituation. Trauer und Kummer über die eigene Unfähigkeit, sich zu wehren bzw. das gewünschte Ziel zu erreichen, führen letztlich in die Depression. Auf dem Weg dahin existieren viele Ablenkungsmanöver. Starke körperliche Belastung, z. B. durch Sport oder Sexualität, kann eine Depression zunächst verhindern, da Energie abgebaut und die Aufstauung von Überenergie somit zunächst verhindert wird. Der gesamte innere Kampf wird vorerst in das Außen verlagert. Kann dieser Ausgleich nicht oder nicht mehr stattfinden, wird die Anspannung im Inneren so intensiv, dass der Kompromiss der Anpassung als mangelnder Selbstwert in das Bewusstsein gelangt.

,, Niemand liebt mich”

Auch Erfolg und Misserfolg sind wesentliche, durch Gruppenmaßstäbe bewertete Faktoren der Flucht in die Depression – unabhängig davon, dass Erfolglosigkeit durch den unterdrückten Energiefluss programmiert ist. Der Erfolgsglaube unserer Zeit, wenn man „alles richtig” mache, würde auch „alles gut”, vergisst in seiner Reduzierung auf den Handlungszwang Faktoren wie den freien Fluss der Geschehnisse, die Wahrscheinlichkeit oder die Unterschiede in der Wahrnehmung der Wirklichkeit. Durch diese Reduzierung nehmen viele Menschen sich selbst, ihr Potenzal bzw. ihre Leistungen nur aus der Sicht von anderen wahr. Sie selbst haben verlernt, sich als Ganzes in den Kontext ihrer Welt zu setzen. Ist die Resonanz anderer nun unbefriedigend, wird dies als enttäuschende Herabsetzung und Zurückweisung empfunden.

Ein anderer nicht zu unterschätzender Weg in die Depression findet sich auf der körperlichen Ebene, z. 8. in den Allergien. Werden diese mit Hilfe von allopathischen Medikamenten unterdrückt, so wird das Energiepotenzial der Allergien nicht freigesetzt. Die Anpassung und die Sehnsucht nach Sicherheit behalten die Überhand; die Eigenpersönlichkeit wird vernachlässigt und nicht entwickelt. Auch in Folge dieses körperlichen Unterdrü­ckungsmechanismus kann leicht eine Depression eintreten.

Gefühle herauslocken : Um einem Menschen aus der Depression herauszuhelfen, ist es notwendig, ihn in Dynamik zu bringen.

Wut und Zorn wollen gelebt werden. Die Fähigkeit, diese Gefühle auszudrücken, muss wiedererlernt werden. Es muss die Bereitschaft entwickelt werden, aus der Passivität in die Aktivität zu gehen. Glaubenssätze wie „Ich darf nicht zornig sein.”, ,,Ich darf mich nicht wehren.”, ,,Ich darf nicht aktiv sein.”, „Ich muss lieb sein.” müssen überwunden werden.

Wird das erreicht, so wird die negative Wertung der Aggression aufgelöst. Dann kann bzw. wird die Depression leicht zu beheben sein. Die in der Depression kumulierte Lebensenergie kann nun in Lebensfreude umgewandelt werden.

 

Die unten beschriebenen homöopathischen Arzneien sind sicher nur wesentliche Beispie­le der Möglichkeiten, die zum „Aufbrechen” oder Heilung der Depression führen bzw. führen können.

 

Im Folgenden seien zwei Arzneimittelbilder ausführlicher dargestellt:

 

Aurum metallicum

Aurum metallicum, das Berggold, ist in Reinform, als Gold, ein edles und korrosionsbeständiges Metall, das von Säuren, Luft oder Wasser nicht angegriffen werden kann und ein guter Leiter von Wärme und elektrischem Strom ist. Es wird jedoch fast nie rein, sondern stets „verunreinigt” mit anderen Metallen wie z. 8. Silber, Kupfer oder Platin vorgefun­den. Interessant dabei ist, dass auch die Bedeutungen dieser Stoffe (Silber symbolisiert das Urvertrauen, Kupfer die Anlehnung und Platin das sich Erheben über andere auf Grund einer Verletzung) zur Selbstwertthematik gehören.

In unserer Sprache existiert der Ausdruck „ein goldiger Mensch”, mit dem ein offener, freundlicher authentischer Mensch beschrieben wird. Diese Freundlichkeit und Authentizität entsprechen der Analogie der Weiterleitung von Wärme und die Fähigkeit des Edelmetalls, kaum angegriffen werden zu können. Gold steht so für eine stabile Persönlichkeit mit starkem Selbstwertgefühl. Damit ist die erlöste, die geheilte Form von Aurum metallicum beschrieben. Im pathologischen Zustand findet sich das genaue Gegenteil: Ein Mensch, der sich in dieser Lebenssituation befindet, hat gelernt, andere zu imitieren. Die Zielrichtung seines Strebens ist es, so zu werden bzw. zu wirken wie sein Vorbild. Je länger und intensiver ein Mensch einerseits Vorbildern nacheifert, desto mehr verliert er sich andererseits selbst.

 

“Fehlendes Selbstwertgefühl”

Die Lebenssituation von Aurum metallicum ist aber durchaus auch dort zu finden, wo Menschen den Erfolg scheinbar „gebucht” haben, im Management beispielsweise oder unter Menschen wie Künstlern oder Sportlern, die in ihrem Tätigkeitsfeld erfolgreich oder einzigartig sind. Dort entsprechen die Ziele der Rolle der Vorbilder. Das Ziel muss unbedingt erreicht werden, dieses Jahr, im nächsten Jahr, im übernächsten Jahr. In diesem scheinbaren Bedürfnis, die vorgegebenen Ziele zu erreichen und Leistung beweisen zu wollen, verliert der Mensch oft sich, die Wahrnehmung seiner selbst sowie sein Gefühl für die eigene Persönlichkeit bzw. kann dies gar nicht erst entwickeln.

So ist, trotz allen Erfolges und aller Zielorientierung, die fehlende Selbstbestimmung die Hauptthematik der Aurum-Lebenssituation. Es wurde versäumt, ein eigenes Lebensgefühl und eine eigene Struktur zu entwickeln. Vielmehr werden Befehle und Anweisungen von außen erwartet.

Werden beispielsweise im Management wesentliche Ziele immer wieder erreicht, klettert die Person die Erfolgsleiter hoch und immer höher, so dass irgendwann kein „Gegner”, kein Ziele Vorgebender mehr verfügbar ist. Der „Gewinner” muss sich die Ziele aus den Sachzwängen heraus entwickeln und sie sich selbst geben. Dies ist jetzt die kritische Situation von Aurum, denn in Ermangelung eines kämpfenden Gegners stellt sich die Persönlichkeit nun die Frage, was der eigentliche Wert im Leben ist.

In der homöopathischen Literatur finden wir dann die Beschreibung im Arzneimittelbild von Aurum, in der ein überaus erfolgreicher Manager mit scheinbar glücklicher Familie, Haus, Auto, kurz: allem, was erstrebenswert zu sein scheint, von allen unerwartet Selbstmord begeht.

Sein Leben hatte eigentlich keinen Wert. Er war zu sehr von sich selbst weg oder hat sich selbst gar nicht wahrgenommen. In der Homöopathie ist Aurum metallicum deshalb als das Arzneimittel bei Selbstmordgefährdung bekannt.

Typische Aurum-Symptome und Aurum­Erkrankungen sind:

  • Alkoholismus (der für das Lebensgefühl zuständig ist „sich immer und ständig unterlegen zu fühlen”. Nur unter Alkohol ist dieses Lebensgefühl kurzfristig nicht mehr spürbar, um dann umso heftiger wiederzukommen.),
  • Depression mit Selbstmordneigung und
  • enttäuschte Liebe.

 

Die psychologische Bedeutung zeigt sich darin, dass andere (das Außen) wichtiger sind als die eigene Persönlichkeit. Man definiert sich über die Wertschätzung Dritter, einer Gemeinschaft oder einer Aufgabe und ist emotional von Achtung oder Missachtung komplett abhängig. Das Gefühl, ohne ein höheres, fremdbestimmtes Ziel, allein nur als Mensch nichts wert zu sein, hat sich manifestiert. Im deutlichsten Fall entsteht Selbstmordneigung und Lebensunlust.

Auf körperlicher Ebene signifikant sind:

  • Bluthochdruck (Hypertonie),
  • Leistenbruch,
  • Beinschmerz morgens beim Erwachen und
  • Müdigkeit durch Lesen.

 

Man ist zornig darüber, dass man für andere lebt, weigert sich jedoch, den eigenen Weg zu gehen. Wegen dieser fehlenden Standfestigkeit werden Schuldgefühle entwickelt, und langsam wächst die Weigerung, weiterhin die Meinung anderer zu übernehmen.

Soll die Struktur stabilisiert werden, um Lebenssituationen bestehen zu können, kann es zu Knochenschmerzen und Exostosen kommen.

Typisch für Aurum ist auch die Herzbelastung, da Selbstliebe und Selbstachtung fehlen. Der eigene Wert, die eigene Persönlichkeit konnte bisher nicht entwickelt werden. Auch wenn es von außen so aussieht als sei der Mensch stabil und erfolgreich, ist es im Inneren ganz anders.

Beschäftigt sich der Patient mit diesem Miss­klang, kann die Gabe von Aurum metallicum entscheidende Prozesse auslösen. Bei homöopathischen Gaben von Aurum metallicum stellt sich der Mensch den Fragen nach der eigenen Identität. Ihm wird bewusst, dass oft äußere Werte das Selbstwertgefühl ersetzen und Abhängigkeiten entstanden sind.

Ist Aurum harmonisiert, haben wir eine Persönlichkeit vor uns, die selbstverständlich als Individualität lebt und so leben will und wird. Jegliche Anpassung an andere und das Verbot, so sein zu dürfen, wie sie angelegt ist, sind überwunden.

 

Sepia succus

Die homöopathische Arznei Sepia wird hergestellt aus der Tinte des Tintenfisches. Wenn ein Tintenfisch in Bedrängnis kommt, spritzt er Tinte nach außen, um wie ein Ungeheuer zu wirken und Feinde oder Gefahren so abzuschrecken. Der Tintenfisch selbst versucht, unerkannt zu entfliehen.

Die Situation ist leicht zu übersetzen: Ein Mensch fühlt sich bedrängt, belastet, angegriffen. Im Außen setzt er sich scheinbar zur Wehr, indem er etwas Mächtiges und Gewaltiges darstellt, vielleicht giftig, unantastbar und aggressiv wird. Innerlich jedoch weicht er zu­rück und versucht, seine Schwächen zu verstecken. Dieses Bild könnte mit dem Satz. „Lasst mich doch alle in Ruhe.” beendet werden. Dieser Ausgang ist die Flucht in die Harmonie, um Auseinandersetzungen möglichst zu vermeiden.

 

“Sehnsucht nach Harmonie, die den eigenen Vorstellungen entsprechen muss”

 

Viele Menschen haben diese Sehnsucht nach Harmonie. Dabei bestehen aber bei allen Gemeinschafts- oder Gruppenmitgliedern auch sehr klare und natürlich unterschiedliche Vorstellungen darüber, wie diese auszusehen hat. Jeder möchte die Harmonie nach seinen Vorstellungen gestalten, und so kollidieren diese zwangsläufig. Es kommt zu Auseinandersetzungen, die aber eigentlich nicht geführt werden wollen. Eskaliert die Situation, und kommt es dazu, dass die entsprechenden Auseinandersetzungen geführt werden müssen, wer­den meist besonders unnachgiebige, harte und scheinbar unveränderliche Anforderungen nach außen dargestellt.

Wegen dieses Phänomens gilt Sepia als homöopathische Arznei für die sogenannte Emanzen. Wenn sich die Verbindung männlicher und weiblicher Aspekte als schwierig erweist, wird eine scheinbar unveränderbare, klare, strikte, harte Stellung nach außen bezogen, die einem eigenen Harmoniebild entspricht und unantastbar ist. Ist ein Mensch in dieser Lebenssituation, lässt er kaum Veränderungen zu. Es gilt allein die eigene Sichtweise.

 

So entstehen beispielsweise folgende Symptome:

  • Abneigung gegen den Ehemann,
  • Abneigung gegen Familienmitglieder (De­ren ebenfalls eigene Vorstellungen und Sichtweisen werden von einem Menschen in einer Sepia-Situation weder ertragen noch akzeptiert.)

Irgendwann entsteht Resignation, die sich in folgenden Symptomen zeigen kann:

  • Abneigung gegen Arbeit
  • Abneigung gegen Gesellschaft, besseres Gefühl beim Alleinsein ist die Folge.
  • Aggressionen,
  • Traurigkeit,
  • Teilnahmslosigkeit,
  • Ungeduld und Trauer (Diese beiden bilden in sich zwar einen Widerspruch, sind aber doch klassische Elemente der innerlich zerrissenen Sepia-Lebenssituation)

Auf der körperlichen Ebene finden wir z. B. folgende Symptome:

  • Schwindel beim Knien oder Bücken (Derjenige, der sich in einer Sepia-Situation befindet. weigert sich im Außen klar und deutlich, in eine demütige Haltung zu gehen, macht es aber oft trotzdem. Er möchte sich nicht beugen, sondern er möchte das durchziehen, was er sich selber vorstellt. Ein sich Beugen ist also „Schwindel”, eine Lüge.)
  • Funktioniert eine Verbindung zwischen zwei Menschen nicht so, wie der Sepia-Patient es gern hätte, ist Kopfschmerz nach Coitus eines der möglichen, auftretenden Symptome. Derjenige zerbricht sich den Kopf, um die Beziehung so zu manipulieren oder um­zugestalten, wie es erwünscht ist.
  • Weitere typische körperliche Symptomatiken sind die Hormonstörung und die Behaarung der Frauen. Hat eine Frau entschieden und ist davon überzeugt, dass sie mit ihrem Gegenüber, mit dem männlichen Geschlecht, keine Verbindung haben könne und hat sie deshalb beschlossen „ihren eigenen Mann” zu stehen, so zeigt sie unbewusst männliche Züge.
  • Auch im prämenstruellen Syndrom wird deutlich, dass die Verbindung und Ergänzung männlicher und weiblicher Aspekte gestört ist und möglicherweise bereits in den Vorgenerationen nicht funktioniert hat. Vermutlich fehlt es auch an einem entsprechenden Vorbild, wie man als Frau diese Polarität ausgleichen kann, denn wir leben heute in einer Wandlung der Traditionen.
  • Der Gebärmuttervorfall weist darauf hin, dass Kinder eher zu einer Belastung geworden sind, die vormals akzeptiert wurde, da Kinder Absicherung in der Ehe bedeuteten.
  • Herpes steht für Zorn und Wut, dem aber kein Ausdruck verliehen wird. Die Sepia-Situation ist eine Verweigerungssituation, eine Situation der Konfliktverweigerung.

 

Durch die homöopathische Gabe von Sepia werden die aus Frust und Resignation getroffenen Vorstellungen darüber, wie eine Situation auszusehen habe, aufgeweicht. Das bringt den Menschen dazu, wieder in vormalige Unsicherheiten zurückzufallen. Alte, negativ empfundene Erlebnisse kommen wieder ins Bewusstsein zurück, um sie nun bewältigen zu können. Ist der Mut des Menschen, sich jetzt dieser Konfliktsituation zu stellen, ausreichend groß, so kann sich diese Stück für Stück auflösen.

Aber Sepia ist nie das alleinige Arzneimittel, sondern lediglich der Schlüssel der Konfliktbereitschaft. idealisierte Vorstellungen werden aufgeweicht und durch die Konfrontation mit den realen Gegebenheiten aufgelöst.

 

Fazit

Für den erfolgreich behandelnden Homöopathen ist es wichtig zu sehen, dass hinter der Depression eigentlich Aggressionen bzw. unterdrückte Potenziale stecken, die freigesetzt werden müssen. Ist der primäre Glaubens­satz: .,ich muss lieb sein” oder „ich bin wertlos”, dann wird sich das vorhandene Potenzial stauen müssen. Ein depressiver Mensch ist keineswegs schwach oder hilflos, sondern sogar – allerdings versteckt – kraftvoll. Manch ein Homöopath hat dies schon erlebt, indem er die freiwerdenden Aggressionen selbst abbekommen hat.

 

Finden Sie wieder zur Ihrer Lebensfreude zurück!

Bild pixaby: ast25rulos

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