Ängste, Depressionen, Schmerzen – wie die Homöopathie dabei helfen kann, Energie freizusetzen und Lebensfreude zu entwickeln
Nicht nur traumatische Erlebnisse und Schicksalsschläge lassen Ängste, Depressionen und andere Beschwerden entstehen. “Viele Menschen, deren Leben scheinbar in geordneten Bahnen verläuft, leiden an sogenannten psychosomatischen Krankheitsbildern.” Solche Beschwerden entstehen oft in Umgebungen, in denen der Mensch in festen Denk- und Handlungsmustern lebt und nicht aus ihnen ausbricht. Sei es aus Angst vor Unverständnis, aus Furcht vor dem Bruch mit eingefahrenen Traditionen oder aus Angst vor der eigenen Kraft und Kreativität. Wenn die Seele ständig in einer Enge leben muss, entwickeln sich Beschwerden wie z. B. Ängste. Die Art der Beschwerden, unter denen ein Mensch leidet, ist ein Symbol für Lebenskonflikte, die es aufzulösen gilt.
Schauen wir uns unter dem Aspekt der psychologischen Hintergründe einmal das Thema der Erwartungsangst an.
Erwartungsangst
Um zu verstehen, warum es scheinbar so fürchterlich ist, Erwartungen anderer nicht zu erfüllen, müssen wir uns damit befassen, weshalb diese Erfüllung so wichtig scheint.
Die Prioritäten der anderen
In unseren ersten Lebensjahren sammeln wir Erfahrungen und orientieren uns an allem, was uns umgibt. Das kann eine direkte Bezugsperson sein, aber auch die Dynamik einer Gruppe, deren Verhaltensmuster wir imitieren und zu unseren eigenen machen.
Kommt es zu einem Konflikt zwischen dem Kind und den jeweiligen Bezugspersonen oder deren Ansichten, dann fühlt sich das Kind in seiner Eigenart negativ beurteilt. Bleibt es dabei, dass sich das Kind nach außen orientiert, wird es die Bezugsperson oder die Umwelt für wichtiger empfinden als sich selbst. Die Eigenpersönlichkeit beginnt systematisch zu leiden. Die Persönlichkeitsanlagen oder eigene Fähigkeiten werden zurückgestellt, und die Eigenschaften der Bezugsperson bzw. Bezugspersonen gewinnen an Priorität. Das Kind wird verunsichert, beurteilt sich selbst eher negativ. Besonders gravierend ist diese Entwicklung, wenn ein Mensch nicht frühzeitig als eigenständige Persönlichkeit mit eigenen Anlagen, mit Fähigkeiten und Talenten akzeptiert und respektiert wird, sondern Gehorsam im Sinne von Nachahmung oder Gruppenkonformität erwartet wird.
Das schwarze Schaf und die Herde
Aufgrund dieser Basis der Nachahmung und der Orientierung am Außen kann die Verunsicherung so stark werden, dass latente Erwartungsangst entsteht. Unser Handeln wird dann mehr und mehr von der Frage bestimmt, ob es den Ansprüchen oder Anforderungen anderer entspricht. Mehr und mehr achten wir darauf, was die Umwelt dazu sagen würde. Ist die Beurteilung positiv, fühlt sich der Mensch wohl. Wird das Verhalten negativ beurteilt, so führt dies in eine latente Neigung zu unbewusster Anpassung an die Meinung anderer.
Aus dieser Handlungsweise entsteht eine tiefe Verunsicherung, der Mensch kontrolliert sich, ob er den Erwartungen der anderen entspricht. Aus der reinen, natürlichen Nachahmung werden so Schutz- und Sicherheitsbedürfnis sowie Anpassung an andere.
Mehr und mehr verlieren wir in diesem Prozess den Bezug zu uns selbst und sind anfällig für Befürchtungen in Bezug auf die Erwartungen anderer. Wir rechnen damit, mit unserer Haltung oder Handlung nicht angenommen zu werden und fürchten uns vor einer möglicherweise bevorstehenden Ausgrenzung aus der Gemeinschaft. Gleichzeitig betrachten wir diese Ausgrenzung als zwangsläufig, ja verdient, denn wir selbst haben uns die jeweiligen Denkstrukturen schon in viel stärkerem Maß zu eigen gemacht als wir wahrhaben möchten.
Prüfungen bestehen
Eine Form der Erwartungsangst ist die Prüfungsangst: Werden die eigenen Fähigkeiten dem standhalten, was z. B. der Lehrer verlangt? Der wesentliche Aspekt der Erwartungsangst ist der, dass die Erwartungen der Umgebung absolut erfüllt werden wollen, um selbst ein gutes Gefühl und Sicherheit zu gewinnen. Erfüllen wir diese Erwartungen, so dürfen wir uns als „gutes Kind” geschätzt und beschützt fühlen. Dass dieses Verhalten uns von der eigenen Persönlichkeit wegführt, wird erst später oder vielleicht auch gar nicht bewusst.
Konflikte aushalten lernen
Diese mentale Kraft kann jedoch nur aufgrund eigener innerer Stärke entwickelt werden. Ist die mentale Fähigkeit stark, und können beispielsweise die Gedanken des Prüfers ,,gelesen” werden, ist die Prüfung ein leichtes, da wir sie auf der Basis innerer Sicherheit absolvieren. Ist diese innere Sicherheit und Fähigkeit gewonnen, dann ist sie auch die Basis für Lebenslust und Lebensfreude.
Im gleichen Zuge müssen wir uns auch damit auseinandersetzen, wie wir mit Ablehnung und Konfliktsituationen umgehen wollen. Betrachten wir Ablehnung als „Strafe“, als Ausgrenzungsdrohung im klerikalen, religiös strafenden Sinne statt als natürliche Reaktion eines anderen, so werden wir diese immer fürchten. Wenn wir jedoch begreifen, dass eine negative Rückmeldung einfach nur etwas darüber aussagt, wie unser Gegenpart selbst die jeweilige Situation betrachtet und dass wir nicht gezwungen sind, Erwartungen zu erfüllen, dann sind wir auch in der Lage, schwierigen Situationen nicht nur Respekt zu erweisen, sondern die damit verbundene Aufgabe im positiven Sinne als Herausforderung zu verstehen. Das Leben wird zum attraktiven Spiel, das mit Freuden angenommen wird. Also nutzen wir diese Ablehnung als Chance, uns zu einem individuellen Wesen zu entwickeln das frei ist von Bewertungen und Verurteilungen im Außen. Denn nur so können wir unsere Seele hören, erhalten Anschluss an allem Wissen, spüren unser tiefstes Unbewusstes und unseren Anteil am göttlichen Bewusstsein.
Erwartungsangst aus zurückgehaltener Emotion
Hier deutet sich eine Lebenssituation an, in der ein Mensch wenig eigenen inneren Halt hat und Anpassung an andere, an die Umgebung oder die Tradition lebt und gleichzeitig, ausgedrückt durch das Wasser, starke Emotionen entweder vorhanden sein müssen oder gesucht werden. Der zur Auflösung dieser Lebenssituation notwendige Grad an Bewusstheit und Erkenntnis ist noch nicht ausgebildet.
Homöopathie gegen Erwartungsangst
Argentum nitricum – Fordert Nestwärme ein
Arsenicum album – Existenzangst, lieber sterben, als sich verändern
Gelsemium sempervirens – Erwartungsangst aus zurückgehaltener Emotion
Die genannten Arzneien sind typisch, um das Thema der Erwartungsangst zu bewältigen. Am Beispiel von Gelsemium wird die Lebenssituation, die dieses Mittel spiegelt und heilen kann, beschrieben.
Gelsemium sempervirens
Der Gelbe Jasmin ist eine immergrüne, bis zu drei Meter lange Schlingpflanze mit lanzenförmigen Blättern und gelben Blüten. Er ist nicht mit dem Echten Jasmin verwandt, sondern gehört zur Familie der Brechnussgewächse und wächst hauptsächlich in Flusstälern. Der Pflanzenauszug des Gelben Jasmin wurde bei den Indianervölkern Nord- und Mittelamerikas beim Fischen verwendet, da er eine absteigende Lähmung bewirkt. Getränke aus den Wurzeln dienten den Indianervölkern der Südstaaten Amerikas bei Gottesurteilen zur Wahrheitsfindung.
Übersetzen wir die Signatur, so haben wir im Gelben Jasmin eine Schlingpflanze vor uns, also eine Pflanze, die sich selbst keinen inneren Halt schaffen kann, sondern sich an anderen hochrankt. Ihr Lieblingsplatz ist in der Nähe des Wassers. Wasser steht symbolisch für Gefühl. Die zierlichen gelben Blüten symbolisieren die noch nicht so stark ausgeprägten Aspekte Erkenntnis und Bewusstsein.
Gelsemium sucht das Gefühl, ist jedoch noch nicht stabil genug, muss sich an andere anlehnen
und kann nicht im doppelten Wortsinn eigenständig sein.
Genau dies spiegelt sich in den homöopathischen Symptomen wider:
- extrem leichte Erregbarkeit,
- viele Befürchtungen,
- Beschwerden durch schlechte Nachrichten, die sich bis zur
- Hysterie steigern können.
Außerdem:
- Tiefe Traurigkeit,
- Feigheit,
- Erwartungsängste,
- Prüfungsängste.
Auf der körperlichen Ebene finden wir:
- Unfähigkeit, den Kopf hochzuhalten, und
- viele Varianten von Kopfschmerzen, die sich oft nach Urinieren bessern. (Da der Urin als Flüssigkeit ebenfalls für Gefühle steht, wird deutlich, dass es in einer Gelsemium-Situation wichtig ist, Gefühle nicht nur rational lösen zu wollen, sondern sie zu formulieren und auszusprechen, um eine Blockade durch angestaute Gefühle zu verhindern.)
In der homöopathischen Wirkungsweise finden wir:
- Lähmungen
- Erkrankungen des Rückenmarks mit zittrigen Zuständen
- grippeartige Symptome (Die Symbolik der Grippe ist das Leid, das Gefühl zu leiden, unter Drück zu stehen, etwas Negatives zu erwarten, vielleicht sogar die Furcht, umgebracht zu werden, es den anderen nicht recht machen zu können. So ist die Furcht vor irgendwelchen Problemen, unangenehmen oder Gewaltsituationen, eben die Erwartungsangst, der wesentliche Aspekt.
Signifikant ist auch das Symptom des Doppeltsehens. Die Wahrnehmung der eigenen Lebenssituation erfolgt sowohl aus den eigenen Beweggründen heraus als auch aus den infiltrierten, erlernten oder scheinbar durch notwendige Anpassung erworbenen Begründungen anderer.
Menschen in einer Gelsemium Situation haben damit begonnen, sich zu stabilisieren.
Über die Erkenntnis, dass sie die Sicherheit nur aus sich selbst herausholen können, müssen sie nun eigene Stabilität entwickeln. Ist dies noch nicht geschehen, erfüllen sie weiter die Erwartungshaltungen anderer und werden dadurch ängstlich. So entwickelt sich das Gefühl, sie würden „vom Leben bestimmt”. Nun ist es dringend erforderlich, dass die Erkenntnis, dass der Mensch sich sein Leben selbst kreiert, verinnerlicht und umgesetzt wird.
Zum Thema Erwartungsangst gibt es unzählige, auf verschiedenen Ebenen wirkende Arzneien. Einige fordern das Gespür für die eigene Intuition, andere die eigenen Bedürfnisse und Lebensimpulse. Aus dem Gefühl heraus, das Außen nicht beeinflussen und das eigene Leben nicht selbst bestimmen zu können, entstehen Ängste. Menschen, die darunter leiden, können mit passenden Homöopathika behandelt werden, die sie darin bestärken, sich dem Leben zu stellen und es selbst gestalten zu können. Fehlt das Selbstwertgefühl oder ist es völlig zusammengebrochen, kann eine homöopathische Arznei den Impuls geben, die innere Stimme überhaupt zu hören und ihr dann sogar zu folgen.
Auf diese Weise entsteht, Lust am Leben.
Das Ergebnis körperlicher, geistiger und seelischer Gesundheit ist der Heilungsansatz.
Aus dieser Sicht können zahlreiche psychosomatische Krankheitsbilder wie. z. B. Rückenschmerzen, Gastritis, Migräne oder typische „Zivilisationskrankheiten“ betrachtet werden. Auch emotionale Befindlichkeiten wie Schuldgefühle, Existenzangst oder Hass, Hilflosigkeit, Eifersucht, den Helfertrieb u. a. m. können psychologisch und unter Anwendung und Erklärung homöopathischer Arzneimittel geklärt und mögliche Wege zu umfassender Gesundheit aufgezeigt werden.










